Auf einer Grundfläche von 50qm sollte ein Haus für eine vierköpfige Familie entstehen: Ein großer Koch- und Essbereich im Zentrum, ein gemütlicher Wohnbereich mit Kamin und Aussicht, zwei Bäder und drei Schlafzimmer – und das Ganze autark, ohne Anschluss an Strom oder Wasser.
Um die engen Vorgaben des Bebauungsplans und den Wunsch der Bauherrschaft nach einem räumlich vielseitigen Haus zusammenzubringen, entstand ein Grundriss, inspiriert von einem Wohnungsbau Hermann Billings.
Wandscheiben verdichten sich im Norden gegen den Hang und öffnen sich im Süden zur Aussicht ins Tal. Die meandrierenden Scheiben werden auch als landschaftsarchitektonische Elemente eingesetzt und verweben sich mit der Topografie. Die Scheiben definieren Außen- und Innenräume und bleiben als vertikal verputzte architektonische Elemente ablesbar.
Die räumliche Dramaturgie beginnt bereits auf dem Weg zum Bauplatz: Im Rücken eine bewachsene Böschung, im Süden der Blick ins Tal. Betritt man das Haus durch zwei einladende, den Eingang flankierende Wandscheiben, findet man sich in einem kleinen, zweigeschossigen Eingangsbereich wieder.
Von hier aus werden das Badezimmer und die weiteren Räume des Hauses erschlossen. Auf den überhohen Eingangsbereich folgt ein niedrigerer Koch- und Essbereich, welcher im Süden in einen Erker mit Luftraum übergeht. Im Westen folgt der um eine Stufe höhergelegene Wohnbereich.
Über die Treppe im Norden wird die Empore im Obergeschoss und das Untergeschoss mit zwei weiteren Schlafzimmern und dem Technikraum erschlossen. Die stark differenzierten Innen- und Außenräume schaffen spannende Situationen, ohne viel Fläche zu überbauen.
Konstruktiv handelt es sich um einen Massivholzbau auf betoniertem Sockel. Die Innenwände sind mit Lehm aus dem eigenen Aushub auf Schilfrohrmatten verputzt. Die Einbaumöbel sind als Teil der Architektur entwickelt und vervollständigen das räumliche Konzept.
Die Wandscheiben aus Massivholz sind außenseitig mit Holzfaserplatten gedämmt und mit Kalkputz verputzt. Im Sockelbereich verspringt ein gefilzter Sockel mit der Topografie. Im oberen Bereich sind die Wandscheiben mit einem vertikalen Kammputz versehen.
Zwischen den Scheiben öffnet sich das Haus mit Fenstern und Türen. Fassadenelemente sind in diesen Bereichen in Blech ausgeführt. Trinkwasser wird mithilfe einer Wasseraufbereitungsanlage aus der Zisterne gewonnen. Eine flächenbündig in die Dachhaut eingelassene PV-Anlage versorgt das Haus mit Strom, sodass ein energetisch autarkes Haus entsteht.
LPH 1–8
Bauherrschaft: Privat
Mitarbeit: Lisa Schneider, Peter Hoffmann,
Ruth Bartelmann, Lina Hadamovsky
Anerkennung
BDA Architekturpreis max40